Was ist

Systemisches

Coaching?

Systemisches Coaching

Das systemische Coaching erlaubt Multiperspektiven zu balancieren und Ambivalenzen Raum zu geben.
Was?

Das systemische Coaching bezieht sich auf die Systemtheorie nach Niklas Luhmann. Die Systemtheorie nach Luhmann liefert einen ganzheitliche Ansatz, der die Gesellschaft in all ihren Facetten beschreibt. Dieser geniale Ansatz bildet die Grundlage für das Coaching, insbesondere von sozialen Systemen wie Organisationen, Teams oder Einzelpersonen.

Warum?

Weil keine Theorie so wirkungsvolle Interventionsmöglichkeiten auf Organisations- und Team-Ebene bietet, wie die Systemtheorie. Durch die Veränderung der internen Struktur hin zu mehr Gruppen- und Teamarbeit, ergeben sich neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Teams beispielsweise lassen sich anders führen, wie zuvor Abteilungen.

Wofür?

Damit Organisationen, Teams und Menschen aus ihrer Autonomie heraus anschlussfähige Lösungen erarbeiten können. Damit Transformationen und Veränderungen einen guten Nährboden in der Organisation finden. Damit passende Modelle für eine angemessene Komplexitätsreduktion benutzt werden.

Kerngedanken

Das systemische Coaching bedient sich einer komplizierten und abstrakten Theorie. Im Folgenden die Kerngedanken:
Kommunikation

Besondere Aufmerksamkeit kommen den sozialen Systemen in der Luhmannschen Systemtheorie zu. Sie können überall dort gefunden werden, wo kommuniziert wird. Denn genau daraus bestehen soziale Systeme: Kommunikation (nicht mehr und nicht weniger). Kommunikation ist auch das Einzige, das zwischen Menschen passiert. Wie Kommunikation in sozialen Systemen gegenseitig geregelt wird, welche Wirklichkeitskonstruktionen sich für die einzelnen Beteiligten ergeben, sind im Systemischen interessante Fragestellungen.

Muster und Regeln

Soziale Systeme sind maßgeblich geprägt von Mustern und Regeln. Diese reduzieren Komplexität und erhalten das soziale System am Leben. Kommunikation wird darüber geregelt, sie wird wahrscheinlich und manche wird ausgeschlossen. Stellen Sie sich zum Beipsiel vor, Sie befinden sich an einer Kasse und wollen Ihren Einkauf bezahlen. Der Kassierer verlangt von Ihnen 15,37€ für Ihren Einkauf. Dann werden Sie vermutlich genau diesen Betrag auch bezahlen, weil der Kontext genau diese Regel (Einkauf muss bezahlt werden) und Muster (Kaufen und Bezahlen) kennt. Sie könnten jedoch auch Fragen, ob der Kassierer bereit wäre über den Preis zu verhandeln, anstatt die 15,37€ direkt zu bezahlen.
Dieses Beispiel mag abwägig klingen, zeigt jedoch, dass systemisch gedacht, der Kontext diese Regel implizit gar nicht erlaubt. Genau so gut irritieren können Sie, indem Sie auf die Frage "Sammeln Sie (Treue)Punkte?" mit "Nein, und Sie?" antworten.

Welche Regeln und Muster in einer Organisation oder einem Team wirken, kann sehr erleuchtend sein.

Konstruierte Wirklichkeit

Dass die Welt als solche existiert, lässt sich schwer leugnen. Wie diese jedoch im Detail erlebt wird, hängt stark von den jeweiligen Menschen ab. Wenn zum Beispiel zwei Personen ein Haus betrachten, so kommt es häufig vor, dass sie ein unterschiedliches Bild von dem Haus erzeugen und abspeichern. Der eine nimmt ein rotes Dach wahr (mögliche rot/grün-Schwäche), der andere fokussiert auf den Schornstein oder den Briefkasten.

Die Wirklichkeit, wie jeder Einzelne sie erlebt, ist seine eigene, geleistete Konstruktion. Erleben und die daraus konstruierte Wirklichkeit hängt von verschiedenen Faktoren wie die früheren Erfahrungen und daraus gezogene Schlussfolgerungen, Aufmekrsamkeitsfokus und die Eigendynamik des wahrnehmenden Systems ab. Aus systemischer Sicht ist weder die eine, noch die andere Wirklichkeit richtig oder falsch. Spannend wird es dann, wenn Konflikte entstehen, über verschieden wahrgenommene Perspektiven.

Kontextbezug

Die systemische Sichtweise legt näher, dass jedes Verhalten von Menschen immer im Bezug zu seinem Kontext steht. Ob sich jemand zum Beispiel "kompetent" oder "inkompetent" verhält, hängt folglich auch von dem Kontext ab, indem das "kompetente" oder "inkompetente" Verhalten beurteilt wird. Ein Beispiel: Angenommen, man beurteile einen Pinguin nach seiner Fortbewegungsfähigkeit an Land, würde man wohl zu dem Schluss kommen, dass diese eher "inkompetent" ist. Oder, dass der Natur ein Fehler unterlaufen sein muss. Im selben Moment, wenn der Pinguin jedoch ins Wasser eintaucht, ist seine Fortbewegungsfähigkeit mehr als "kompetent".

Mehrfach kommen in der Kommunikation Zuschreibungen zustande, ohne den Kontext anzugeben. Mit Hilfe der Frage nach dem Kontext, können somit zementierte Zuschreibungen verflüssigt werden.

Zirkularität

Häufig erleben sich Menschen in der Kommunikation oder Interaktion mit anderen als "Opfer" deren Verhaltens. Sie schreiben dem Gegenüber eine "Täter" Position zu. Ein typisches Beispiel findet sich in vielen Beziehungn wider: "Er" zieht sich zurück, weil "Sie" meckert. Oder umgekehrt: "Sie" meckert, weil "Er" sich zurückzieht. In solchen Mustern lassen sich nur schwer Anfang und Ende einer Interaktion feststellen.

Im Systemischen wird die Perspektive erweitert. Den jeweiligen Personen wird sowohl Ursache als auch Wirkung ihres Verhaltens in der Interaktion zugeschrieben. Das macht aus einem Opfer zugleich auch einen Täter und umgekehrt. Eine zirkuläre Wechselwirkung lässt sich dadurch beschreiben. Dieses Wissen ist äußerst wertvoll im täglichen Umgang miteinander, gerade in Organisationen.

Kontakt

Sie haben Fragen zum Coaching, zu Workshopformaten, zu Flipcharts oder weitere Anregungen?